Erfahrungen Foei Der Behandluiig Yon Kieferverletzungen WÄHrend Des Hiissisch-Finnischen Krieges
DOI:
https://doi.org/10.3109/00016354009044312Abstract
AbstractZusammcnlassung
Verf. liefert einen vorläufigen Bericht über Erfahrungen, die während des Russisch-Finnischen Krieges Dez. 1939–März 1940 im Militärkrankenhaus zu Helsingfors, Abteilung für Gesichts-und Kieferverletzungen (Leiter der Abteilung: Dr. med. et chirurg. J. KIVIMäKI), gemaclit worden sind.
Das Material umfasst za. 120 von den etwa 300 Fällen von Kieferverletzungen, die während des Krieges bei den Feldsani-tätsformationen zur Behandlung gekommen sind. Betreffs der Behandlung von Kieferverletzungen wird auf die Wichtigkeit davon hingewiesen, dass die Fälle in einem möglichst friihen Stadium gesammelt einer möglichst geringen Anzahl Spezialisten-zentren zugeführt werden, dass die primäre Revision und die Wundbehandlung möglichst an demselben Orte erfolgt, wo die definitive Reposition und Fixation ausgeführt werden wird, so-wie dass derselbe Zahnarzt schon vom Beginn der Behandlung an Gelegenheit hat, den Fall zu verfolgen, letzteres um eine einheitliche Therapie durchzuführen. Dank dem Einsatz der modernen Transportmittel für den Krankentransportdienst war es, wenigstens an mehr stabilen Fronten, in hohem Grade möglich, diese Wünsche zu verwirklichen.
Betreffs der Verteilung der Behandlung zwischen den betref-fenden Sanitätsformationen wird folgende übersicht geliefert: I. Bataillonsverbandplatz: erster Verband, Tracheotomie, Mor-phium, Antitetanusserum, provisorische Kompression lebensbedrohlicher Blutungen. II. Feldlazarett: Unterbindung blutender Gefässe, Bluttrans-fusion, Exzision und Beseitigung von Fremdkörpern aus Wunden, primäre Sutur von Weichteilverletzungen (sel-ten), evtl. Notverband (intermaxillar oder extraorale Extension).
III. Kriegslazarett im Heimatort mit Spezialistenabteilung für Kieferverletzungen:
1. Röntgen und Wundrevision, Extraktionen zu Sanie-rungszwecken, notwendige Wurzelfüllungen.
2. Reposition und Fixation von Skelettschädigungen, dabei und danach intensive Wundbehandlung.
3. Weiehteilplastiken: Sekundärsutur, Beseitigung von Narbenstrikturen, evtl. mit Stützung der Weichteile durch zeitweilige Prothesen.
4. Osteoplastiken (bei Kontinuitätsdefekten und erst nach Ausheilung etwa vorkommender Ostitiden).
5. Erforderliche weitere Weiehteilplastiken zwecks Narbenkorrektion usw. sowie definitive Prothesenarbeiten.
Verursacht sind die Verletzungen überwiegend (97%) durch Granatsplitter und Kugelgeschosse, wobei die ersteren Verletzungen an Zahl (55%) und Wirkung überwiegen. Bezüglich der Art der Verletzungen dominieren Unterkieferfrakturen (allein: 69%, verbunden mit Oberkieferfrakturen: 15%). Oberkieferfrakturen allein: 16%. Die Verwendung der Primärsutur ist wegen ungünstiger Erfahrungen während der ersten Periode des Krieges stark eingeschränkt worden. Man empfiehlt statt dessen primäre Exzision und Erweiterung der Wunde mit sekundärer Sutur.
Die Behandlung ist, was die Revision zerstörter Skelettpartien betrifft, extrem konservativ gewesen. Bezüglich der Methodik hat man, soweit es sich urn Reposition und Fixation handelte, mit individuell bedingten Abweichungen und Improvisationen, die von SCHRÖDER-ERNST-WASSMUND angegebenen Richtlinien befolgt.
Todesfälle sind während der Behandlung nicht eingetroffen. Dies scheint darauf zu deuten, dass die Todesfälle bei Kieferverletzungen vor allem an der Front durch Verbluten und Erfrieren eintreffen. Kriegfuhrung während anderer Jahreszeit oder unter Verhältnissen, die weniger als die starke Winterkälte die Entste-hung von Schockzuständen begünstigen, dürfte eine prozentual grössere Anzahl Kieferverletzungen zur Behandlung kommen lassen.
Die Erstiekungsgefahr, infolge Zurückfallens der Zunge in den Hals bei Unterkieferfrakturen, scheint überschätzt worden zu sein. Der numeräre Bedarf an ausgebildeten Kieferorthopäden ist, wie es scheint, relativ gering: zusammen mit 3–4 Chirurgen zur Erledigung der rein chirurgischen Aufgaben, dürften 12–15 kieferorthopädisch spezialausgebildete Zahnärzte dem Behand-lungsbedürfnis für eine Armee von 5–600,000 Mann gut genügen können.
Acta Odontologica Scandinavica publishes high quality original research papers as well as critical reviews relevant on diseases of the oral cavity, their treatment, epidemiology and associated biomaterials and their development.